Angela Fechner Wie eine digitale Teilzeitnomadin arbeitet

​Wie eine digitale Teilzeitnomadin arbeitet

​​Es gibt nicht nur die Sesshaften und die Nomaden. Es gibt auch die Teilzeitnomaden, zu denen Angela Fechner gehört. Mehrere Monate im Jahr ist die Hamburgerin auf Reisen, arbeitet auf Bali, in Australien oder wo auch immer sie einen neuen Co-Working-Space entdeckt. In einem Co-Working-Space findet sie alles, was sie braucht: eine gute WLan-Verbindung, einen Raum zum Skypen, Elektrizität für ihren Laptop und ein interessantes internationales Publikum für anregende Gespräche. Ihre neue Leidenschaft ist, diese weltweit neu entstehenden Orte für digitales mobiles Arbeiten auf ihrem Blog zu porträtieren. Und so lebt sie ihren Traum, zu reisen und überall auf der Welt arbeiten zu können.

Nach ihrer Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau hat sie bei Hapag -Lloyd gearbeitet, lange, über 20 Jahre. Wer so lange bei einem Unternehmen bleibt, liebt seine Arbeit und hat meist gute Entwicklungsmöglichkeiten. Reisen für andere zu planen war ihr Traumberuf, der nach 23 Jahren ein jähes Ende fand. Sie wurde gekündigt. Nach einer Fusion mit dem amerikanischen Mutterkonzern wurden alle Standorte in Deutschland geschlossen. So wie sie waren viele von der Kündigungswelle betroffen. „Die Kündigung war ein Schock.“ Verarbeiten musste den Schock jeder für sich allein. Das war trotz einer Abfindung eine Herausforderung.

We are a family

Sie blieb der Reisebranche treu und ging zu einem internationalen Flugzeugbroker, wo sie kleine Flugzeuge für Einzelpersonen und Gruppen gechartert hat, die morgens hin und abends zurück wollten, ob zu einem Fußballspiel, einem Meeting oder einem Kurztrip. Flugzeugbroker sind Quereinsteiger. Dafür gibt es keine Ausbildung. Und das war ihre Chance. Sie baute eine interne Akademie mit auf, um das Know-how der Flugzeugbroker international auf ein Level zu bringen. Als Sales Coach trainierte sie Broker international. Dann kam die Weltwirtschaftskrise. Das Chartern von Flugzeugen ist nicht billig und die gesamte Branche bekam die Krise ab. Beim Unternehmen wurde gespart, wo gespart werden konnte, also auch am Personal. Während eines Trainings in Dubai bekam sie einen Anruf, dass sie in die Zentrale nach England kommen solle: da wurde ihr das Urteil mitgeteilt. Der Slogan des Imagefilms des Unternehmens hieß: „We are a Family Business“. Und diese Familie kündigte Angela Fechner. Da war sie 48 Jahre alt und fiel in ein ziemliches Loch.

Was gute Coaches leisten

Auch wenn sie wusste, dass die Kündigung nichts mit ihren Fähigkeiten zu tun hatte, machte ihr die Entlassung zu schaffen. Sie hatte so viel aufgebaut, Lebenszeit investiert, Ideen eingebracht, zu den Gewinnen des Unternehmens beigetragen. „In der Depri-Phase nimmt man es eben doch immer persönlich.“ Aber sie wollte nach vorn schauen. Dafür suchte sie sich einen Coach. Der konnte ihr nicht nur die Ängste vor der Herausforderung nehmen, sondern auch neue Perspektiven erschließen. Gemeinsam haben sie überlegt, wie der berufliche Weg weitergehen könnte. Der Coach brachte sie schließlich auf die Idee, sich selbständig zu machen.

Wissen und Erfahrung hatte sie im Gepäck und wusste, wie man Trainings entwickelt und Teilnehmer begeistert. Sie besetzte mit Flugzeugchartern ein Nischenthema, das weltweit von nur wenigen Firmen angeboten wird. Und so begann ihr Schritt in die Selbständigkeit mit Trainings für eine Brokerfirma von Flugzeugen. Doch nachdem sie innerhalb eines Jahres alle Mitarbeiter geschult hatte, lief der Job auch schon wieder aus. Heute sagt sie, dass es ein großer Fehler war, in dieser Zeit nicht stärker akquiriert zu haben. Deshalb rät sie Gründern, sich bloß nicht auf einen einzigen Kunden zu verlassen.

Was in der Selbständigkeit zählt

Wo bekomme ich jetzt die Kunden her? Das war die Frage. Wie will ich mich in Zukunft positionieren. Das war die nächste Frage. Als Trainerin, das stand fest. Aber in welcher Branche und mit welchem Thema. Bei ihren Kommunikationstrainings in kleineren Firmen wurde ihr immer wieder eine Frage gestellt: „Wie schaffst Du es, über die sozialen Netzwerke Anfragen zu bekommen?“ Durch solche Fragen, die ein konkretes Bedürfnis formulieren, können neue Geschäftsideen entstehen. Und so begann sie, in Eins-zu-eins-Trainings zu vermitteln, wie die sozialen Netzwerke funktionieren. Schon nach kurzer Zeit wurde sie für erste Vorträge zum Thema gebucht. Diese Vorträge wurden ihr neuer Akquiseweg. Beim Netzwerken vom BVMW über „Schöne Aussichten“ bis zum Women Entrepreneur Club war sie in ihrem Element, auch wenn die Aufträge oft erst nach einem bis zwei Jahren folgten. Seit 2010 betreibt sie ihr eigenes Unternehmen "Erfolgsoptimierung" mit Schulungen zum sozialen Netzwerk XING und zur Präsentationssoftware Prezi.

Was man loslassen muss

2015 entdeckte sie die Co-Working-Spaces. Es war ein schwieriges Jahr: erst verstarb ihre Mutter, dann ihr Hund und dann brach auch noch ihre Beziehung auseinander. Das war für sie ein Zeichen: Jetzt war sie frei und ungebunden. Warum also nicht da arbeiten, wo andere Urlaub machen? Da sie beim Reisen in ihrem Element war, wurde sie digitale Teilzeitnomadin und begann einen Blog über die Co-Working-Spaces, wo sie arbeitete: in Hamburg, Berlin oder auch auf Bali. Und für das nächste Jahr ist bereits ein drei-monatiger Aufenthalt in Australien geplant.

Wie die Arbeit einer digitalen Nomadin aussieht

Nur weil sie in einer Sonnengegend ist, liegt sie aber nicht faul in der Sonne herum. Auch auf Bali hatte sie eine feste Struktur. Mit dem Motorroller fuhr sie zum Co-Working Space in Ubud und arbeitete von Montag bis Freitag von 10.00-17.00 Uhr an ihrem neuen Buchprojekt über XING und mit ihren Kunden, denen sie Angebote zu balinesischen Preisen machte. Da das Leben auf Bali günstiger als in Deutschland ist, war das ihr Summer Special. Das kam bei Ihren Kunden gut an, mit denen sie über Skype und Teamviewer an ihren XING-Profilen und am Aufbau eines XING Portfolios arbeitete. Ironischerweise war ihre WLan-Leitung auf Bali teilweise stabiler als die ihrer Kunden in manchen deutschen Kleinstädten.

Was die größte Herausforderung war

Eine Herausforderung war, die Sicherheit eines regelmäßigen Gehalts aufzugeben, und damit umgehen zu lernen, dass es nicht nur gute, sondern auch schlechte Monate gibt. Inzwischen nutzt sie die saisonalen Schwankungen für eigene Fortbildungen oder das Arbeiten an ihren Projekten. „Nach der zweiten Kündigung war für mich klar, dass ich nicht mehr angestellt sein wollte. Die Enttäuschung war groß und mich hatte der Ehrgeiz gepackt, mir zu beweisen, dass ich es auch selbst schaffen kann. Ich war mir nicht zu schade dafür, noch einmal ganz von vorn anzufangen.“ Die Buchhaltung selbst machen, Angebote schreiben, Websites erstellen, Kunden akquirieren und den Tag neu organisieren – all das gehörte zur Lernkurve dazu. Extrem hilfreich vor allem beim Thema Akquise war der Austausch in Netzwerken wie dem Verband „Schöne Aussichten“. „Die größte Hürde war, daran zu glauben, dass mein Angebot Menschen interessiert und dass Sie am Ende auch eine Rechnung bezahlen.“ Wer startet denkt häufig, was er kann, können ganz viele. Deshalb braucht es Selbstbewusstsein, das eigene Thema so zu vermitteln, dass andere es haben wollen. „Sich trotz Rückschlägen immer wieder neu zu motivieren, das ist die größte Herausforderung.“

Welche Akquisestrategien wirken

Angela Fechner findet ihre Kunden über Vorträge, Netzwerkveranstaltungen und vor allem ihre Präsenz in den sozialen Medien. Sie hat acht Erklärvideos zum Erstellen eines XING Profils erstellt, die sie noch kostenfrei über ihren Youtubekanal anbietet.

Ihre drei Tipps für Gründer

  1. Step by step! Sie sollen sich nicht verrückt machen und alles auf einmal machen wollen. Erst einmal ein gutes XING Profil einrichten. Das ist kostengünstig, leicht erstellt und ersetzt am Anfang eine Homepage.
  2. ​Sich einem Verband anzuschließen, um mit den Herausforderungen nicht allein zu bleiben, lohnt sich. Es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt, dass man es nicht schafft. Dann gibt einem eine gute Gruppe Halt.
  3. ​Einmal im Jahr zu überprüfen, ob das, was man sich überlegt hat, noch passt, macht Sinn. Ein Unternehmen entwickelt sich mit der Zeit und folgt nicht zwangsläufig dem Businessplan. Deshalb ist es wichtig, offen für Veränderungen zu bleiben.


Wer sich schon einmal einlesen will, wie man die Arbeit als Teilzeitnomade gut vorbereiten kann, dem empfiehlt Angela Fechner das Buch von Claudia Hilker „Social Media für Unternehmer: Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzt.“

Bleib Neugierig!

Foto: Angela Fechner, Bali 2016

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