Olaf Schirm

Olaf Schirm I Foto: Harriet Wollert

Was ist KI Kunst? 

Oder: Wie wird man Wissenschaftskünstler?

KI = Künstliche Intelligenz oder auch AI = Artificial Intelligence sind gerade in aller Munde. Ein Hype? Eine gigantische Chance? Eine ernst zu nehmende Bedrohung? Versuche einer Annäherung an die Chancen und Bedrohungen der Kunst durch Künstliche Intelligenz im Gespräch mit Olaf Schirm, einem der Pioniere für KI Kunst - mit Hilfe Künstlicher Intelligenz erstellter Kunst. 

Den ersten Kontakt mit KI-Kunst hatte ich in der beeindruckenden Ausstellung „What is the prompt – Main Works“ von Olaf Schirm 2023 in der Guelmann und Unbekannt Gallery in Berlin. Zeitgleich habe ich meine ersten Experimente mit ChatGPT gemacht. Schon im ersten Semester während meines Studiums als Geisteswissenschaftlerin in den 80er Jahren habe ich HTML-Kurse besucht, da mir klar war, dass neue mediale Entwicklungen mit neuen Möglichkeiten einhergehen. In diesem Blogpost erfährst du, wie Olaf Schirm Wissenschaftskünstler wurde und welche neuen Dimensionen der Kunst sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auftun.

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Olaf Schirm: what's the prompt? Die erste Ausstellung zu KI-Kunst in Berlin

Wo künstliche Intelligenz auf die eigene Kreativität und Intelligenz trifft

Von klein auf war Olaf Schirm an der Schaffung seiner eigenen Welten interessiert und hat sich das bis heute erhalten. Es war für ihn folgerichtig, als Musiker mit selbstentwickelten elektronischen Instrumenten zu arbeiten. Denn sie boten für ihn die größtmögliche Freiheit der Ausdrucksform.

Er studierte Biologie und Physik und gründete zeitgleich sein eigenes Studio für elektronische Musik. Unerwartet bekam er das Angebot eines Fernsehsenders, dort im Ton- und Videobereich zu arbeiten. Das führte ihn zur Videografik und Computergrafik für Fernsehsendungen und Werbung. In dieser Zeit hat er als Art Direktor künstlerische visuelle Ideen für sich und seine Kunden entwickelt und lanciert.

Später konnte er das – in einem gewissen Ausmaß – innerhalb seiner eigenen Firmen weiterentwickeln und damit von 1983 bis 2014 künstlerische Meilensteine setzen. Seitdem widmet er sich ausschließlich und kompromisslos seinen künstlerischen technisch-wissenschaftlichen Projekten ohne kommerzielle Unternehmungen.

Seine Methoden, um Kunst auszudrücken und zu erschaffen entspringen fast immer modernen Technologien aus der Wissenschaft. Dabei kommen ihm die umfangreichen Erfahrungen aus seinem Beruf – als CEO und Geschäftsführer mehrerer eigener Unternehmen, die er gegründet, aufgebaut und zuletzt mit 50 Mitarbeitern geleitet hat – zugute. Die künstlerische Darstellung erfolgt bei ihm heute nicht mehr auf der Leinwand mit Malfarbe, sondern mit Apparaten und Elektronik, mit Licht und Klang, mit Kinetik und Robotik sowie mit künstlicher Intelligenz.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kunst mit KI zu machen?

Olaf Schirm: Ich spreche diverse Programmiersprachen. Die Entwicklung vom „Spaghetticode“ (dieser Code, durch den man sich anfangs noch von A-Z durchscrollen musste) über klassenorientiertes Programmieren (d.h. vorgegebene Fenster für Abspeichern, löschen etc.), von einfachen Software-Agenten (also Klassen, die vordefinierte Tätigkeiten ausüben und etwas Pseudointelligentes zurückmelden) über neuronale Netze bis hin zum heutigen Maschinenlernen (bei dem beispielsweise alle Schachspiele der Welt eingegeben werden, so dass Programme daraus Schlüsse ziehen können, quasi als Vorstufe der KI) und den jetzt überall auftauchenden künstlichen Intelligenzen (selbstlernenden KIs) habe ich seit meiner Jugend verfolgt – und wo immer ich konnte mitgemacht.

Denn schon früh habe ich das unglaubliche Potenzial in diesen Entwicklungen erkannt. Mir war nur damals noch nicht klar, wie lange diese Entwicklungen dauern würden und wie rasant es sich schließlich nach Jahren Stagnation dann plötzlich entwickelt.

Künstlerisch setze ich „künstliche Intelligenzen“ oder Vorformen davon seit etwa 10 Jahren ein: in Roboter-Installationen und in Licht-Installationen. Seit zwei Jahren verwende ich KI zur Erzeugung von digitalen Bildwerken. Diese digitalen Erzeugnisse überführe ich dann wieder in die analoge Welt, indem ich sie als Unikate drucke und signiere.

Olaf Schirm: KI Bild aus dem Musikvideo "1920"

Wie sieht die Arbeit eines Wissenschaftskünstlers mit Künstlicher Intelligenz aus?

Als Wissenschaftskünstler benötige ich ein Konzept, um das Werk so zu entwickeln und zu formen, dass es für die Erzählung der Geschichte die bestmögliche Darstellung erhält. Das Konzept entwickle ich aus einem tiefen Verständnis der technischen und skulpturalen Zusammenhänge, indem ich es auf die wesentliche Aussage verdichte. Das ist mit dem künstlerisch hochwertigen Leinwandbild vergleichbar, das aus Leinwand und Farbe besteht, aber nur durch das handwerkliche Talent und alle künstlerischen Fähigkeiten zum Meisterwerk wird.

Bei der Arbeit mit bildgebenden Künstlichen Intelligenzen entfällt der „Hardware“-Aufwand. Das Skulpturale jedoch ist der Arbeit eines Regisseurs vergleichbar, der einem Team von Bühnenbauern klarmacht, wie er das Bühnenbild aufgebaut und beleuchtet haben möchte und der sich genau vorstellt, wie die Personen darin wirken sollen.

Diese Arbeit nennt man „Prompting“: das Prompt ist die genau textliche Anweisung, welche der KI gegeben wird, damit sie erzeugt, was ich haben möchte. Beim Prompting wie auch im Gespräch mit Menschen gibt es zahlreiche Missverständnisse. So besteht die eigentliche Arbeit darin, der Künstlichen Intelligenz in wochenlangen Verbesserungen der Formulierungen genau zu beschreiben, was ich sehen möchte.

Natürlich könnte ich fehlende oder falsche Bildinhalte einfach retuschieren. Das tue ich aber nicht. Denn das ist gerade das Einzigartige an meiner Kunst, dass sie direkt aus der Maschine kommt. Ich hole mit meiner finalen Anweisung an die KI etwas aus ihrem „Geist“ unverfälscht in einem einzigen Vorgang heraus. Die Künstliche Intelligenz erzeugt für mich meine Vorstellungen – wie ein Orchester, dem ich die Partitur vorgebe und das ich dirigiere, so dass daraus ein einzigartiges Klangerlebnis resultiert.

Olaf Schirm alias Symboter in seinem Studio 1980 

Wie schafft deine KI-Kunst ein neues Genre?

Bildgebende Künstliche Intelligenzen sind inzwischen über jedes Smartphone erreichbar. Das ist wie beim Fotoapparat, der inzwischen vor allem zu einer Linse und einer App des Smartphones geworden ist. Ist deswegen jedes Foto ein Kunstwerk? Nein! Ist deswegen jedes gepromptete Bild ein Kunstwerk? Nein!

Es ist für den Laien heute schon schwierig bei einem Foto zu erkennen, ob es Kunst ist. Manchmal kann man das gute Handwerk erkennen, so auch bei der Szenografie (Promptographie) mit KIs. Die eigentliche Kunst ist aber, etwas zu schaffen, was aus dem Willkürlichen heraussticht: meist durch perfektes Handwerk mit einem guten Konzept, manchmal durch Innovation.

Ich versuche diese drei Aspekte – Konzept, Handwerk und Innovation – in jedem Werk optimal miteinander zu verbinden. Dadurch entsteht eine neue Möglichkeit, Inhalte auszudrücken. In dieser Hinsicht ist die bildgebende KI vergleichbar mit dem Musik-Synthesizer, der in den Händen von Talenten völlig neue Musikformen ermöglicht, obwohl er nur ein weiteres Instrument war und ist. In den Händen von Amateuren kommen nur Preset Klänge und gefällige Musiken aus dem Synthesizer. So ist es auch bei der Künstlichen Intelligenz, bei der dann sogenannte Prompt-Splashes entstehen. Diese KI-Splashes sind vergleichbar mit hingeworfenen Farbeimern auf Leinwänden oder beliebigen Schnappschüssen mit dem Handy.

Wie verändert KI den Kunstbetrieb in Bezug auf Urheberschafft oder Produktion?

Die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz im Kunstbetrieb sind so mannigfaltig, dass ich sie hier kaum aufzählen kann. Insgesamt ersetzt die bildgebende KI jede mittelmäßige künstlerische Darstellung, vor allem jede digitale: Jede Geburtstagskarte, jede normale Website, jedes normale Bewerbungsfoto, jeder benötigte Hintergrund kann mit KI erzeugt werden. Illustratoren, Retuscheure, der Grafiker von nebenan werden unmittelbar ersetzt bei gleicher Qualität, schnellerem Ergebnis und geringerem Preis. Dasselbe gilt für mittelmäßige Fotografen, Beleuchter, Visagisten oder auch Models.

Die Urheberschaft ist international umstritten und wird meist zugunsten der Künstlichen Intelligenz ausgelegt. Das ist aber im Regelfall unerheblich. Microsoft hat angekündigt, dass sie die Rechtekosten für die Anwender der Software CoPilot übernimmt, um mehr Rechtssicherheit durch Urteile zu erzeugen. Beim Logoentwurf für Unternehmen, was heute per KI einfacher und schneller geht, würde ich derzeit noch aufpassen, beziehungsweise die aktuelle rechtliche Lage prüfen.

Bilddatenbanken werden von KI-Bildern überflutet und können nicht feststellen, woher diese Bilder kommen. Es ist möglich, eine neue Bilddatenbank über Nacht mit tausenden neu erzeugten Bildern zu füllen. Diese Bilder entstehen immer schneller und werden immer besser, immer glaubwürdiger und in der Serie konsistenter. Digitale Wasserzeichen können genauso schnell entfernt werden, wie sie erzeugt wurden.

Olaf Schirm mit X-IST Datenanzug

Olaf Schirm mit Roboter DarWin

Wie verdient man als Wissenschaftskünstler Geld?

Als Unternehmer kenne ich das Schicksal, in einem Jahr eine Million Gewinn zu machen und im nächsten Jahr auf einer Million Schulden zu sitzen. Wenn Märkte komplett zusammengebrechen, weil sich gesellschaftspolitische Umstände verändern, stellt das große Herausforderungen für Unternehmer dar. Ich habe mein Unternehmen mit einst 40 Mitarbeitern als One Man Show abwickeln müssen. Heute habe ich das Privileg, nicht von den Einnahmen aus der Kunst, den Vorträgen und Beratungen leben zu müssen, da meine Lebensgrundlage durch den Erlös aus meinen Erfindungen und meiner unternehmerischen Arbeit gesichert ist. Trotzdem stellt der Verkauf meiner Werke für mich eine wichtige Anerkennung meiner künstlerischen Leistung dar.

Wenn man Kunst seriös betreibt, darf der Verdienst nicht im Vordergrund stehen, weil so das Ergebnis verfälscht wird. Zeitdruck oder der Zwang zu verkaufbaren kleinen Formaten darf nicht das Kriterium bei der Entstehung eines Werkes sein. In meinem Bekanntenkreis sehe ich, wie Galerien die Künstler zu schnell hergestellten Arbeiten für Ausstellungen oder Messen drängen und vor allem zu verkaufbaren Formaten. Entsprechend ist die entstehende Kunst oft ohne erkennbare Tiefe.

Ich werde durch keine Galerie vertreten und arbeite vollkommen losgelöst vom Markt an meinen Werken. Wenn sich ein Interessent zum Kauf oder für eine Ausstellung zeigt, dann kann er sowohl die KI-Kunst als signiertes, sehr hochwertig gedrucktes Unikat, als auch meine Installationswerke erwerben, ausstellen oder zum Verkauf anbieten. Aber das sind alles Werke, die ich in kompletter Freiheit erschaffen habe. Sie bekommen erst durch den Verkauf einen Preis.

Wer sind die Auftraggeber von Wissenschaftskunst?

Meine Installationswerke sind bei bewegten Werken (z.B. Roboter oder kinetische Installationen) meist in Sammlungen zu sehen, da sie einen gewissen Ort erfordern, um zu wirken. Die Lichtwerke werden gern in Unternehmen zur Repräsentation von Kompetenz und technischem Fortschritt genutzt, oft als Wandinstallationen in Eingangshallen, Warteräumen oder Konferenzräumen.

Die KI-Bildwerke hängen in Privatwohnungen und auch in Unternehmen: hier sind sie vergleichbar mit traditioneller Malerei, nur aufgrund ihres konzeptionellen Inhalts weniger designorientiert und stärker narrativ. Meine Auftraggeber sind häufig an meinem Wissen und meiner Kompetenz auf den Gebieten des Art Thinkings und der Künstlichen Intelligenz interessiert und beauftragen mich mit Vorträgen oder Beratungen oder in jüngster Zeit auch häufiger mit dem live Prompten auf Veranstaltungen.

Wie gewinnt man als Wissenschaftskünstler KundInnen?

Ich gewinne Kunden, die sich für meine Kunst interessieren, vor allem über Ausstellungen, wo sie in Berührung mit meinen Arbeiten kommen und konkret sinnliche Erfahrungen in der Begegnung mit meinen Kunstwerken machen sowie über Podien. Zurzeit denke ich auch über eine Publikation nach.

Wie sieht das Marketing zur Kundengewinnung eines KI-Künstlers aus?

Das ist eine schwierige Frage für mich, da ich bisher losgelöst von Vermarktungsfragen Werke erschaffen habe. Über meinen Newsletter lade ich zu meinen Ausstellungen ein und halte meine Webseite auf dem neuesten Stand mit zahlreichen interessanten Artikeln zu Themen der Künstlichen Intelligenz.

Wie entstehen Preise von KI-Kunstwerken?

Bei den KI-Bildern ist es der sogenannte Faktor, der sich aus meinen Jahren der künstlerischen Tätigkeit, Gruppen- und Solo-Ausstellungen ergibt. Das ist bei allen seriösen Künstlern im unteren und mittleren Segment so. Das ist gerecht und enthält keine willkürliche Komponente, sofern man den Faktor akzeptiert. Er ist bei mir Höhe plus Breite mal Faktor 30. Hinzu kommen die Kosten für Belichtung und Rahmung ohne Aufschlag.

Bei den Installationsarbeiten ist es schwieriger, da hier der Materialeinsatz ungleich höher ist und ich oft ein ganzes Jahr daran arbeite. Es ist für mich dann eher der Preis, für den ich mich gerade noch von dem Kunstwerk trennen kann. Die Galerieanteil beträgt üblicherweise 50%, da bleibt nicht viel übrig angesichts des Herstellungsaufwandes und der eingesetzten Zeit. Marktpreise für die neue Kunstrichtung der Science Art Installation gibt es nicht, nur Vergleichspreise ähnlich aufwendiger Installationen.

Was waren die größten Paradigmenwechsel in der Geschichte der Künstlichen Intelligenz?

  1. Die künstlichen Intelligenzen liefern inzwischen deutlich plausiblere Erklärungen, Texte und Bilder als in ihrer Anfangszeit.
  2. Es hat der entscheidende Sprung weg von der Datenverarbeitung großer gespeicherter Datenmengen hin zum Verstehen derselben stattgefunden. Das so trainierte „Model“ enthält nur noch die Erkenntnis und nicht mehr alle Grunddaten der Entstehung dieser Erkenntnis.
  3. Die von Menschen geschaffene Künstliche Intelligenz wurde vom (Baby) Werkzeug zum (heranwachsenden) Partner und schließlich zum (volljährigen) Konkurrenten. Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass unser Smartphone uns in fast jeder Hinsicht übertrifft und unser egozentrisches Weltbild damit kollabiert.

Wie sieht die Vision für den Einsatz von KI in der Zukunft aus der Perspektive eines Wissenschaftskünstlers aus?

Die KI wird für mich ein zunehmend immer wichtigeres Werkzeug in meiner Toolbox der Mittel, mit denen ich Werke erzeuge. Niemand kann vorhersehen, wie es weitergeht. Noch sind es Brüche und Fehler, die ich im Maschinengeist der Künstlichen Intelligenz ergründen und freilegen kann. Doch schon bald werden diese nicht mehr auffindbar sein und ich werde mich wie in den 90er Jahren dem virtuellen Charakter, also der Persönlichkeit der KI widmen. Ich vermute, dass die Künstliche Intelligenz auf längere Sicht weniger vordergründig auftreten, sondern stattdessen selbstverständlicher im Hintergrund mitwirken wird.

Schon in naher Zukunft wird man vermutlich ganze Bücher automatisch durch die KI verfilmen können oder Musik nach Wunsch erzeugen können. Künstlerischen Stoff für bahnbrechende Werke gibt es in Hülle und Fülle.

Was waren deine drei größten Learnings in deiner Karriere als Unternehmer?

  • Nur weil ich etwas gut finde, muss es der Markt nicht auch gut finden. Ich muss mir vorab überlegen, ob das Vorhaben der Mühe wert ist – auch gegen den Strom – und ob ich es mit eigenen Mitteln stemmen kann.
  • Nur wenige andere Menschen können meine Faszination für das Produkt teilen. Ich muss sie mit anderen Mitteln motivieren.
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Übertrage nur so viel Kompetenzen auf andere Personen wie es für deinen Arbeitsplatz notwendig ist und versuche nicht, jedem alles zu erklären.

Was waren deine drei größten Herausforderungen in deiner Karriere als KI-Künstler?

  1. Die Bewältigung des Lernaufwandes in der Quell-Software in den 80er, 90er und 2000er Jahren war eine Herausforderung. Heute führt bei seriöser Betrachtung nur das Zusammenspiel von mehreren sehr komplexen Programmen zum Erfolg meiner Konzeptkunst.
  2. Die Verringerung der Hardwarekosten und vor allem der Kosten für die Rechenzeit war die nächste Herausforderung, da für die Künstliche Intelligenz leider noch ein hoher Rechenaufwand auf speziellen Rechnern notwendig ist. Das führte 2022 zum Bau meines eigenen, extrem leistungsfähigen KI-Rechners.
  3. Die Fokussierung auf das Wesentliche war die dritte Herausforderung. Da das Werkzeug KI alles erzeugen kann, muss wie beim Musiksynthesizer hohe Willensstärke und Konzeptionskraft eingesetzt werden, um am Thema zu bleiben und nicht durch hübsche Vorschläge oder Zufallsergebnisse verführt und abgelenkt zu werden. Ich wehre mich seit Jahrzehnten mit unglaublichem Einsatz von Kräften, oft verzweifelt, dagegen.

Was müssen KI-Künstler beherrschen, um im Kunstbetrieb eine Chance zu haben?

Diese Frage ist sehr schwierig zu beantworten. Neue, junge Künstler im Bereich der KI-Kunst mit wenig Erfahrung und kaum einem Oeuvre sind gut beraten, alles in den sozialen Medien zu posten und ständig präsent zu sein.

Als Künstler bin ich zu meinen Partnern, Kunden und Freunden, Galeristen und Unternehmern so, wie ich sonst im Leben auch bin: absolut verlässlich, hanseatisch korrekt. Nachlässigkeit in jedem Bereich, bei der Vorbereitung einer Ausstellung, Vertragsgestaltung, Transportverpackung, Aufbau, Betreuung vor Ort, Künstlergesprächen, Dokumentationen, Publikationen, in den sozialen Medien, Website etc. – das fällt alles auf den Künstler zurück. Deshalb lautet meine Empfehlung: Ego runterfahren, Empathie hochfahren, vorausschauend handeln!

Für die Kunst kann man keine Empfehlung geben, das füllt Bücher. Ich habe meine Einschätzung, was ich als Kunst betrachte und als gelungen empfinde über Jahrzehnte – auch als internationaler Kunstsammler - geschult, komme aus einer Künstlerfamilie in vierter Generation. Deswegen kann ich in Fragen über meine eigene Kunst und über fremde Kunst jederzeit bestehen, ohne in die allgegenwärtige Trickkiste der Blendung zu greifen.

Was habe ich nicht gefragt, was interessant für angehende ungewöhnliche UnternehmerInnen wäre? 

In der Beobachtung von Software, Maschinen und Künstlicher Intelligenz habe ich auch unter meinen Kenntnissen der Quantenphysik immer wieder festgestellt, dass das vermeintlich Statische ein Prozess ist. Es gibt keine Lösung, kein eindeutig verortbares Ziel, es gibt nur den Weg dahin. Das Vertrauen in den Weg ist wichtig und die Änderung der Wegrichtung darf nicht als Schwäche angesehen werden. Das Widersprüchliche kann Teil des richtigen Weges sein, denn es gibt Dinge, die auf die richtige Art falsch sind und das ist auch gut so. Nicht die Perfektion macht uns Gänsehaut, sondern die perfekte Imperfektion. Das ist die unerreichbare Stärke der Natur.

Vielen Dank für das interessante Interview!

Wer bin ich? Symboter, Oski, Olaf Schirm ...

Olaf Schirm hat zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk erhalten vom Royal College of Art in London über die CeBIT mit dem Byte Best Award bis zum Siggraph Slide Award. Nach dem Motto „Wer bin ich und wenn ja wie viele“ des Philosophen Richard David Precht hat Olaf Schirm verschiedene Synonyme. Er ist Symboter (die Symbiose von Symbios und Roboter) in der Musikwelt. Er ist OSKI (zusammengesetzt aus O für Olaf, S für Schirm und KI für Künstliche Intelligenz) und er ist Olaf Schirm als Wissenschaftskünstler, Berater, kluger Denker.

Ein Blick auf seine Website mit seinen Milestones in Klang, Bild, Ton, Soft- und Hardware lohnt sich: https://www.olaf-schirm.de/

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Dr. Kerstin Gernig hat 4,87 von 5 Sternen 738 Bewertungen auf ProvenExpert.com