Maurice Ressel - Fotojournalist

​Wie wird man Fotojournalist? Machen!

Wer seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie verdienen will – in Zeiten, in denen jeder mit seinem Smartphone fotografieren kann – braucht mehr als Selbstvertrauen. Täglich sind wir von einer Bilderflut umgeben, nicht nur auf Facebook, Pinterest & Co. Der Fotograf Maurice Ressel verfolgt mit seinen Fotos ein Anliegen und das spürt man. Es geht ihm um das Dokumentieren von Lebensbedingungen. Dafür nimmt er einiges auf sich. Lesen Sie, welche Hürden und Herausforderungen es für ihn gab.

Von welchem Beruf haben Sie als Jugendlicher geträumt?

Ich war damals ein absolutes Energiebündel und dachte, dass ich bei der Armee am besten aufgehoben wäre. Der Beruf des Soldaten war für mich der Inbegriff für Nervenkitzel und Spannung. Das machte seine Anziehungskraft für mich aus. In meiner Naivität romantisierte ich diesen Beruf.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Unternehmen zu gründen?

Ich habe eine Ausbildung als Fotograf gemacht und mich anschließend im Jahr 2007 als Werbefotograf selbständig gemacht. 2010 reiste ich als Volontär für die NGO skate-aid nach Afghanistan, um Kindern das Skateboard-Fahren beizubringen. Meine Kamera hatte ich am Hindukusch dabei. Dort entstanden meine ersten fotojournalistischen Arbeiten. Diese Bilder und Erfahrungen veränderten mein Leben. Ich spürte, dass ich mit meiner Fotografie etwas bewegen wollte. Auf den folgenden Reisen nach Afghanistan war ich als Fotograf für skate-aid unterwegs. Ich arbeitete zunehmend für NGOs in Krisengebieten und entdeckte meine Leidenschaft für den Fotojournalismus, mit der ich mich 2012 neu positioniert habe: www.mauriceressel.de.

Angeregt durch meine eigenen Erfahrungen als Fotograf und Volontär habe 2015 das Projekt Volugrapher für Volontäre gegründet: www.volugrapher.com. Der Name setzt sich aus Volunteer und Photographer zusammen. Ich möchte jungen Fotografen ermöglichen, sich in einem mehrmonatigen Volontariat sozial zu engagieren und bei sinnvollen Projekten fotografisch weiterzuentwickeln. Als Kooperationspartner habe ich deutsche NGOs mit nationalen und internationalen Projekten gewonnen.

Warum haben Sie sich selbständig gemacht?

Ich will meine Zeit und Energie mit eigenen Ideen verbringen und mein eigener Chef sein – zumindest soll ich es sich so anfühlen. Dieses Lebensgefühl möchte ich durch Volugrapher mit anderen teilen.

Welche Voraussetzungen haben Sie dafür mitgebracht?

Ich wusste genau, wohin ich meine Energie und Zeit lenken wollte. Neben einer guten fotografischen Ausbildung, einem gewissen Talent und der nötigen Überzeugung, war ich bereit, Erfahrungen zu sammeln und beharrlich mein Ziel zu verfolgen.

Welche neuen Kenntnisse und Fähigkeiten mussten Sie sich aneignen?

Meine fotografischen Fähigkeiten habe ich in der Selbständigkeit ständig weiterentwickelt. Was ich mir neu aneignen musste, war Selbstmarketing in den sozialen Medien. Aber im Grunde ist alles pures „learning by doing“.

Was ist das Besondere an den Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten?

Ich stürze mich in eine Situation hinein und versuche ein Teil davon zu werden.
Ich glaube, dass meine Bilder deshalb so lebendig wirken. Vielleicht ist das Besondere die gelebte Verbindung von sozialem Engagement und Fotografie.

Was war die größte Hürde am Anfang und wie haben Sie sie bewältigt?

Der Anfang war schwer. Da fehlten noch die passenden Bilder im Portfolio und die Referenzkunden. Das Vertrauen der Kunden zu gewinnen war nicht ganz einfach. Meine Dienstleistung zu verkaufen, fiel mir anfangs auch nicht leicht. Das musste ich erst einmal lernen. Aber mit der Zeit habe ich mir ein gutes Portfolio aufgebaut. Je mehr Aufträge man hat, umso leichter wird es. Deshalb habe ich zu Beginn Jobs fingiert und diese Arbeiten in mein Portfolio aufgenommen. Ich habe mir einfach gedacht: wenn gerade nichts weitergeht, muss man pfiffige Lösungen finden – und die gibt es immer!

Was waren für Sie die größten Herausforderungen seit der Gründung?

2012 bin ich von Münster nach Berlin gezogen. Das war eine Herausforderung, da ich meine Kunden in Münster nicht verlieren wollte. Am Anfang bin ich oft hin- und hergependelt zwischen Münster und Berlin. Doch mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass Berlin mich weiterbringen würde. Und so war es.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Ich arbeite hauptsächlich über Kaltakquise: Anrufen, Termin vereinbaren, erscheinen und möglichst einen guten Eindruck machen ;-).

Welche drei Tipps geben Sie Gründern aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen?


  1. Absolute Zuverlässigkeit, beste Qualität und ein guter Service sind Grundvoraussetzungen des Erfolgs.
  2. Außerdem spielt die Kommunikation nach außen eine immense Rolle. Eine klar strukturierte Webseite mit gutem Inhalt ist das A und O. Wer dann noch die sozialen Medien regelmäßig nutzt, hat eine gute Basis für Bekanntheit und Erfolg.
  3. Und vor allem sollte einem die eigene Arbeit Spaß machen, denn dann steht man auch so manche Durststrecke durch!

Wie definieren Sie für sich Erfolg?

Mit fotografischen Arbeiten ein positives Umdenken zu bewirken.

Verraten Sie drei Geheimnisse, die zu Ihrem Erfolg beitragen.

Zuverlässigkeit, Hingabe, Aufmerksamkeit.

Was ist Ihr nächstes Ziel für Ihr Unternehmen?

Ich versuche gerade bei den großen deutschen Bildredaktionen und NGOs Gehör zu finden. Für das Volontärsprojekt professionalisiere ich die Internetseite und akquiriere weitere Kooperationspartner und Sponsoren.

Wie sieht für Sie eine 100%ig erfüllende Arbeit aus?

Sich in seiner Arbeiter selber wiederzufinden und mit ihr glücklich zu sein.

Was fehlt Ihnen noch, um diesen Zustand zu erreichen?

Gelassenheit und Ruhe. Kunden und Erfolg kommen schon. Aber ich mache mir teilweise einfach selbst ziemlich viel Druck. Vielleicht ist das eine wichtige Antriebsfeder. Aber ich hoffe, mit der Zeit eine gute Balance zu finden.

Gibt es ein Buch, das Sie Gründern empfehlen können?

Ich finde die Ideen und die Umsetzungen von Muhammad Yunus faszinierend. Er hat mehrere Bücher zum „Social Business“ verfasst. Außerdem empfehle ich das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben von Sogyal Ringpoche. Das hat zwar nichts mit dem Business zu tun, aber damit, wie wir leben wollen angesichts der eigenen Sterblichkeit.

Wie alt waren Sie, als Sie gegründet haben?

Mit 26 habe ich mich in Münster als Fotograf selbstständig gemacht. Mit 31 änderte ich meine Unternehmenskommunikation in Richtung Reportage und Fotojournalismus und gründete das gemeinnützige Projekt Volugrapher.

Welche Frage habe ich nicht gestellt, die Ihnen wichtig ist?

Vielen Dank für die Möglichkeit zu diesem Interview! Sie interessiert, wie Menschen ihre Arbeit so gestalten, dass sie als erfüllend und beglückend erlebt wird. Mein ganz persönlicher Schlüssel dazu ist, sich der Sinnhaftigkeit des eignen Handels bewusst zu werden: die Selbständigkeit nicht primär wegen des Geldes, sondern wegen der Idee zu wagen.

Foto: Maurice Ressel Fotojournalist, 2014 Philippinen

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