Neustart in die Selbständigkeit mit 50

​Neustart in die Selbständigkeit mit 50

50 ist für viele Menschen ein magisches Alter. Die geburtenstärksten Jahrgänge des 20. Jahrhunderts feiern gerade durch. 50 ist ein Alter, da wird Bilanz gezogen. Was hat man erreicht? Wo steht man? Was geht noch? Das älter werden hinterlässt erste Spuren. Das Thema Gesundheit gewinnt an Bedeutung. Wer jetzt arbeitslos wird, hat häufig den Eindruck, vor einem Abgrund zu stehen. Hier die Konkurrenz mit den Jüngeren, da die Herausforderungen einer sich rasant verändernden Welt, dazwischen ein Leben voller Erfahrungen. Susanne Schleyer war 50, als sie sich entschloss, sich selbständig zu machen, um Hartz IV zu entkommen. Sie hat die Herausforderung angenommen und sich bei einer Berg- und Talfahrt neu kennengelernt. Lies hier, worauf es bei der Selbständigkeit mit 50 ankommt.

Von welchem Beruf haben Sie als Jugendliche geträumt?

Als Jugendliche wollte ich Tierärztin werden. Der Umgang mit Tieren hat mir Freude bereitet und ich war immer sofort zur Stelle, wenn der Tierarzt auf den Pferdehof kam. Ich habe auch eine Ausbildung als Tierarzthelferin gemacht, später mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt und dann ein paar Semester Medizin studiert. Da ich meine Tochter allein erzogen habe, habe ich das Studium aufgegeben und verschiedene Jobs in der telefonischen Kundenbetreuung übernommen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Unternehmen „Telefonmarketing Susanne Schleyer“ zu gründen?

Nachdem ich in Bayern meinen Job verloren hatte, bin ich 2009 nach Baden-Württemberg gezogen, ins Land mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. Ich hoffte, bald wieder einen Job zu finden. Das war aber nicht der Fall. Deshalb habe ich mich 2010 im Direktvertrieb selbständig gemacht. Damit bin ich gescheitert und war plötzlich Hartz IV-Empfängerin. Das war im ersten Moment ein totaler Schock. Aber ich hatte Glück im Unglück. Unterstützt durch Menschen, die mir sehr nah stehen, wagte ich einen zweiten Anlauf in die Selbständigkeit. Ich wusste, was ich nicht wollte: Hartz IV. Mein Unternehmen Telefonmarketing Schleyer ist sozusagen „aus der Not geboren“. Die Kraft dafür hat mir ein einwöchiges Coaching gegeben. Mitte 2012 konnte ich aus Hartz IV aussteigen und von meiner Selbständigkeit leben. Seitdem telefoniere ich für die unterschiedlichsten Unternehmen im B2B-Bereich – von A wie Architekt bis Z wie Zahnarzt.

Welche Voraussetzungen haben Sie dafür mitgebracht?

Durch die Jobberei in Verlagen und Telekommunikationsunternehmen hatte ich 30 Jahre Erfahrungen im Vertrieb.

Welche neuen Kenntnisse und Fähigkeiten mussten Sie sich aneignen?

Den Mut einmal etwas anderes als das Übliche auszuprobieren, nämlich telefonische Kaltakquise bei potentiellen Kunden meiner Kunden. Mein extrovertiertes Temperament kam mir dabei zugute.

Was ist das Besondere an den Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten?

Ich biete „Kundengewinnung“ an: kompetent und persönlich.

Welche Nische besetzen Sie?

Wo Zeit oder Mut fehlen, bin ich zur Stelle. Vielen Unternehmen fehlt die Zeit für die Neukundengewinnung. Andere scheuen die Selbstdarstellung bei der Telefonakquise.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Meine Kunden bekomme ich zu 99% über Xing, ohne groß Werbung zu machen. Ich verkaufe nicht aktiv am Telefon, sondern mache meine Kunden „bekannt“. Dadurch entsteht Neugeschäft. 2014 war ich für den Gründerpreis der schwäbischen Zeitung nominiert. Dadurch hatte ich große Presseaufmerksamkeit. Das hat mir neue Kontakte gebracht. Netzwerken ist das A und O in der Selbständigkeit, deshalb gehe ich gerne zu Netzwerktreffen.

Was war die größte Hürde am Anfang und wie haben Sie sie bewältigt?

Ich hatte Angst vor dem Scheitern. Die Ermutigungen meiner engsten Freunde und meiner Tochter haben mir sehr geholfen. Auch mein Glaube hat mir Kraft geschenkt.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen seit der Gründung?

Der Existenzangst zu begegnen, wenn das Geschäft nicht so gut lief, und sie auszuhalten. Eine Gründung ist am Anfang wie eine Berg- und Talfahrt mit zahlreichen Höhen und Tiefen.

Welche drei Tipps geben Sie Gründern aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen?


  • Churchill hat einmal gesagt: „Nie, nie aufgeben!“ – egal wie der Laden läuft!
  • Netzwerken, netzwerken, netzwerken! Das heißt Schulungen und Trainings besuchen, beispielsweise bei der IHK, sich Gründerstammtischen anschließen, in Xing-Gruppen aktiv sein, Kontakte knüpfen, wo man geht und steht.
  • Offen sein für Persönlichkeitsentwicklung und Horizonterweiterung.

Wie definieren Sie für sich Erfolg?

Wenn das, was ich tue, wirklich funktioniert!

Verraten Sie drei Geheimnisse, die zu Ihrem Erfolg beitragen.


  1. Freunde, die mich seit der Gründung immer wieder ermutigen, neue Schritte zu wagen und regelmäßig Coaching in Anspruch zu nehmen.
  2. Kenntnisse und Kompetenzen aus 30 Jahren der unterschiedlichsten Berufsbereiche.
  3. Rhetorische Fähigkeiten beim Telefonieren.

Was ist Ihr nächstes Ziel für Ihr Unternehmen?

Meine Potentiale weiter zu entfalten, neue Vertriebsbereiche zu erschließen und vielleicht sogar Mitarbeiter einzustellen.

Wie sieht für Sie eine 100%ig erfüllende Arbeit aus?

Wenn das, was ich tue, einem anderen nützt und uns beiden Freude bereitet. Die eigenen Potentiale zu entdecken und zu entfalten, erlebe ich als sehr erfüllend.

Gibt es ein Buch, das Sie Gründern empfehlen können?

Raus aus der Komfortzone, rein in den Erfolg von Sabine Asgodom und Die Kunst des Feuermachens. Motiviert leben, unternehmerisch denken, tatkräftig handeln von Lutz Langhoff.

Welchen Vorteil hat es, wenn man mit 50 gründet?

30 Jahre Kompetenzentwicklung im Angestelltenverhältnis kann ich jetzt endlich in der Entfaltung ausleben und dadurch mein eigenes Unternehmensprofil entwickeln. Es ist für mich ein großes Geschenk, dass ich in meinem Alter noch einmal so erfolgreich geworden bin. Der Aufbau der Selbständigkeit war zeitweise von großen Anspannungen überschattet, vor allem in finanzieller Hinsicht. Rückblickend möchte ich die Erfahrungen nicht missen und bin froh, dass sie sich ausgezahlt haben.

​​www.telefonmarketing-schleyer.de​​​

Foto: Nominierte beim Gründerpreis der Schwäbischen Zeitung, Susanne Schleyer v.r.

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