Hermsdorfer 4 Jahreszeitengespräche

Hermsdorfer 4-Jahreszeitengespräche

Die Hermsdorfer 4-Jahreszeitengespräche widmen sich an jedem Abend einem anderem Thema. Auf einen Impulsvortrag durch einen ungewöhnlichen Unternehmer oder eine ungewöhnliche Unternehmerin folgt ein offenes Gespräch in lockerer Atmosphäre bei Fingerfood und Wein mit Neugierigen und Interessierten, Abenteuerlustigen und Sinnsuchern, Zukunftsorientierten und Vergangenheitsbewussten. 

Zeitgenossen berichten von dem, was sie bewegt, was sie erlebt haben und was sie tun. Die Hermsdorfer 4-Jahreszeitengespräche sind ein privater Salon in Berlin Hermsdorf. Wer sich mit einem interessanten Thema einbringen mag, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit mir aufzunehmen. Ich moderiere durch die Abende. 

Pilgernd bei sich und der Welt ankommen

Als junges Mädchen hatte Katrin Angst ihr Zuhause zu verlassen. Woanders schlafen? Schwierig. Klassenfahrten? Ein Alptraum. Dies änderte sich als sie Teenager wurde. Das Fernweh packte Katrin: von der ersten Reise mit einer guten Freundin mit 18 nach München, Salzburg und an die Nordseeküste und munter weiter mit 6-monatigen bis 2-jährigen Auslandsaufenthalten in Studium und Beruf u.a. nach Irland, Australien und Norwegen.

Schon von klein auf beschäftigten sie die Fragen nach dem Sinn des Lebens und auch dem Sinn des Todes. Wer oder was ist Gott? Was kommt nach dem Tod? Warum bin ich hier? Warum erlebt jeder von uns ein völlig anderes Leben, und warum haben wir doch so viel gemein? Fragen über Fragen, die es wert sind, aus verschiedenen Perspektiven angesehen zu werden.

Aus dieser spirituellen Sehnsucht heraus kündigte Katrin Weimann ihre Stelle als Referentin der Geschäftsstelle des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands, und Sonja Egger überzeugte als Softwareentwicklerin ihren Vorgesetzten davon, wie wichtig es ist, sie für ein halbes Jahr ziehen zu lassen. So brachen beide gemeinsam im August 2018 auf eine 6-monatige Reise zu spirituellen Kraftorten in der Welt auf, um sich und der Welt als auch dem Leben und dem Tod auf die Spur zu kommen.

Am 06.07.2019 lassen wir gemeinsam mit Sonja Egger und Katrin Weimann diese Reise Revue passieren und sprechen über ihr mutiges Unterfangen, sich auf neue Wege rund um die Welt zu begeben, über die Motivation des spirituellen Pfades - dabei das Sterben und den Tod jederzeit im Blick - und darüber, wie es ist, zu kündigen, einfach mal weg zu sein, sich und die Welt zu verlernen, um hinterher neu anzufangen.

Am ersten Tag des Nepal/Tibet-Trekkings auf über 3.000m Höhe hinter Simikot

Wer ist Katrin Weimann?

Katrin Weimann ist praktizierende Buddhistin, Pilgerin, Lebensreisende, Religions- und Spiritualitätsinteressierte und vieles mehr. Sie beschäftigt sich mich mit Meditation, Retreats und Pilgerreisen zu heiligen Stätten. Insofern ist es ihr ein Anliegen besonders die Menschen und ihr (Er-) Leben von Religion bzw. Spiritualität kennenzulernen und Verbindung, Frieden und Verständnis herzustellen. Menschen sowie ihr SEIN in der Welt, ihre Motivation sowie den Sinn, den sie ihrem Leben und Handeln geben, findet sie ganz besonders spannend.

Katrin ist aus ureigenem Interesse und auch beruflich als Referentin im Deutschen Kinderhospizverein mit den Themen Sterben, Tod, Trauer und Verlust sehr verbunden. Daher ziehen sie Menschen, Orte und Erlebnisse rund um die Pflege schwerstkranker und sterbender Menschen sowie das Sterben und der Tod magisch an. Bereits als junges Mädchen, als ihre Urgroßmutter starb, wollte sie unbedingt die Beerdigung miterleben und wissen, was zwischen dem Sterbezeitpunkt und der Bestattung passiert. Dem ist Katrin nach und nach auf den Grund gegangen und kann sagen: die Reise ist noch lange nicht zu Ende.

Nur wer weit geht, kann an seine Grenzen gelangen

Traugott Heinemann-Grüder hat seine Stelle als Geschäftsführer des Tourismusverbandes Flämig mit Mitte 50 gekündigt, um ein Reiseunternehmen unter dem Motto „Erlebe Wildnis“ zu gründen.

Schon als Kind zog es ihn in die Tiefe der heimischen Wälder des Unteren Odertals an der deutsch-polnischen Grenze. Er liebt das Bergsteigen, Trekkingtouren in Nationalparks und extreme Wintertouren. Heute bietet er für Gleichgesinnte Reisen unter dem Motto „Erlebe Wildnis“ an. Wildnis hat viele Facetten: Urbane Wildnis haben wir vor der Haustür, die mitteleuropäischen Nationalparks sind Refugien für die heimische Tier- und Pflanzenwelt in einer ansonsten fast bis in den letzten Winkel durchstrukturierten Kulturlandschaft.

Extreme Wintertouren führen häufig auch in die innere Wildnis, wenn man sich angesichts extremer Anstrengungen fragt, welchen Sinn es macht, bei minus 30 Grad in der Unendlichkeit der Schneewüste im Zelt zu schlafen. Und genau das wollen wir gemeinsam diskutieren: Was passiert mental, wenn man sich der Natur aussetzt und wenn man sich auf eine lang ersehnte, extreme Traumtour vorbereitet und vor dem Ziel abbrechen muss, weil man feststellt, dass man der Unternehmung doch noch nicht gewachsen ist.

Der Weg in die Selbständigkeit stellt für Traugott Heinemann-Grüder in der zweiten Lebenshälfte eine anspruchsvolle Bergtour anderer Art dar; nicht zu vergleichen mit seiner ersten Gründung eines Taxiunternehmens als Student mit zwei Freuden und acht Angestellten.

Mit Traugott Heinemann-Grüder haben wir sein mutiges Unterfangen diskutiert, zu kündigen, neu anzufangen, zu gründen und in die Wildnis aufzubrechen.

Traugott Heinemann Grüder

Wer ist Traugott Heinemann-Grüder?

Als Höhenbergsteiger und Sportler in extremer Kälte und Eiswüsten zählt Traugott Heinemann-Grüder zu den Extremsportlern. Nach eigenen Aussagen ist er kein Grenzgänger à la Kammerlander oder Messner, da er die Vermeidung extremer Risiken, die lebensbedrohlich wären, bewusst in seine Aktivitäten am Berg einkalkuliert. Seinen langjährigen Traum, den Nordpol auf dem Eis zu erreichen, hat er in diesem Jahr vorerst aufgegeben. Dafür hatte er hart trainiert und immer wieder Trainings in der Hardangervidda durchgeführt. Das letzte Mal wurde der Nordpol auf dem Eis ohne Unterstützung im Jahr 2013 erreicht. Sein nächstes großes Projekt ist die Ski-Traverse Grönlands in 2019.

Es ist nie zu spät, sich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen

Unter dem Motto „Es ist nie zu spät, sich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen, um die Zukunft zu gestalten“ haben wir mit Ingrid Meyer-Legrand diskutiert: Wie entsteht aus der eigenen Herkunft Zukunft? Wie prägt jeden von uns seine Familie? Wie prägt uns als Generation unsere Geschichte? Welche Herausforderungen und Chancen hat(te) die Generation der Kriegsenkel? Wie sind wir mit dem Motto „Du hast keine Chance, aber nutze sie“ umgegangen? Welche Wege und Schicksale liegen jenseits der Normalbiografie?

Wir haben im Geschichtsunterricht den Nationalsozialismus behandelt. Doch was dieses Leben im Ausnahmezustand für unsere Eltern und für uns biografisch bedeutet hat, das wurde bis zur Jahrtausendwende kaum diskutiert. Es hat über 50 Jahre gedauert, bis das Schicksal der Kriegsenkel von Autorinnen wie Ingrid Meyer-Legrand aufgegriffen wurde.

Für vieles, das die Kriegsenkel entwickelt haben, gibt es keine Vorbilder. Sie dürfen und müssen eigene Wege gehen. Sie dürfen und müssen sich immer wieder neu erfinden.

Ingrid Meyer-Legrand & Dr. Kerstin Gernig

Wer ist Ingrid Meyer-Legrand?

Ingrid Meyer-Legrand arbeitet als Coach, Therapeutin und Supervisorin in Berlin und Brüssel mit Menschen, die den Wunsch haben, privat und beruflich endlich anzukommen, mit Menschen, die sich mit ihren Lebensmodellen weit weg von der sogenannten Normalbiografie und häufig auch weit weg von der eigenen Herkunftsfamilie bewegt haben. Viele ihrer Klienten erfinden sich immer wieder neu, meist ohne Vorbilder, woraus individuelle Wege resultieren und die Sehnsucht nach Ankommen.

Sie sagt: „Es dauerte bis zur Jahrtausendwende, bis das Thema ‚Krieg und Leid unter den Deutschen‘ öffentlich beim Namen genannt werden durfte. Erst dann konnte öffentlich ein Zusammenhang zwischen dem Aufwachsen bei den vom NS Verfolgten und den vom Krieg und der Flucht traumatisierten Eltern dieser Jahrgänge hergestellt werden.“

Denn jede gute Tat verdient, dass man sie sieht

Sehen: Was sehen wir? Wo sehen wir hin? Wo schauen wir weg? Was nehmen wir wahr? Was blenden wir aus? Wie verändert das, was wir in den Blick nehmen, unsere Sicht auf die Welt? Wer schaut was wie an? Der Sehsinn ist unser wichtigster Sinn. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden scannen wir Räume und Situationen, um uns ein Bild zu machen, ob Feind oder Freund, ob wir in Gefahr sind oder ob wir uns entspannen können. Dieses archaische Scannen kann zum genussvollen Schauen ebenso wie zum Wahrnehmen von Lebensumständen werden, die weit weg von der eigenen Wirklichkeit erscheinen. Aber sind sie das? Im Zeitalter der Digitalisierung haben wir Einblick in Lebenswelten, die weit entfernt sind. Was bedeutet das für uns? Für unser Leben, unsere Prioritäten, unsere Gestaltung der Welt?

Maurice Ressel hat uns gezeigt, wie er die Welt als Fotojournalist sieht und uns verraten, was das mit ihm macht. Er ist einer, der hinschaut. Seine Bilder sprechen für sich. Sie sind so stark, dass sich DIE ZEIT nicht wagt, sie zu zeigen.

Maurice Ressel

Wer ist Maurice Ressel?

Maurice Ressel arbeitet als Fotograf und Filmemacher. Sein Motto lautet „Denn jede gut Tat verdient, dass man sie sieht.“ Er hat die ehrenamtlich arbeitende Organisation VOLUGRAPHER gegründet und vermittelt darüber für fotobegeisterte Helfer Auslandsvolontariate in Kooperation mit NGOs. Die Bilder, die dabei entstehen, sorgen für die Wahrnehmung von Lebensbedingungen auf dieser Welt.

Wie alles begann: Als Volontär für Hilfsorganisationen in Afghanistan hat Maurice Ressel Kindern seine Leidenschaft nahegebracht: das Skateboarden. Jede freie Minute außerhalb seiner ehrenamtlichen Arbeit hat er genutzt, um zu fotografieren. Die NGOs, in deren Namen er unterwegs war, nutzen heute die Fotos für ihre Öffentlichkeitsarbeit.

VOLUGRAPHER versteht sich als Plattform und Partner für alle, die ihre fotografischen Talente für eine bessere Welt einsetzen wollen.